Der erste Frauenarztbesuch
Anleitung zum mutig sein

Gesundheit ist ein Thema, das jede Frau bewegt, in jedem Alter. Darum wenden wir uns mit unserem neuen Spezialthema an junge Frauen – an dich. Weil wir glauben, dass du noch ziemlich jung bist, kommt uns das „Sie“ nicht angemessen vor und wir duzen dich. Aber sehr wahrscheinlich beschäftigen dich momentan sowieso andere Dinge mehr als „Du“ oder „Sie“.
Du musst, sollst oder willst zum Frauenarzt und es ist dein erstes Mal? Dann bist du bestimmt aufgeregt oder hast sogar ein bisschen Angst. Wenn du dir diese Gefühle eingestehst, hast du schon einen großen Schritt gemacht. Glaub es ruhig: Fast jeder Frau ist es wie dir ergangen.
Und nun? Wir können dir ganz einfach mal erzählen, was dich erwartet und was du tun kannst, um mit deiner Angst umzugehen, um sie dir vielleicht sogar zu nehmen. Außerdem möchten wir mit ein paar Mythen und Schauergeschichten zum Frauenarztbesuch aufräumen.
Aber mal vorweg eine Frage: Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für den ersten Besuch beim Frauenarzt? Du musst nicht unbedingt sofort zum Frauenarzt gehen, wenn du zum ersten Mal deine Periode bekommen hast. Es gibt aber gute Gründe für einen Besuch: Probleme mit der Periode wie Schmerzen oder besonders starke Blutungen, allgemeine Fragen zur Verhütung oder wenn du dir die Pille verschreiben lassen möchtest. Dann ist ein Besuch notwendig. Wichtig ist, dass du zum Frauenarzt gehst, wenn du es selbst für richtig hältst, zum Beispiel weil du dir Sorgen machst oder Fragen hast – nicht, weil du von irgendjemand dazu gedrängt wirst.
Die Arztsuche: Ob Mann oder Frau, die Chemie muss stimmen
Die erste Frage, die du dir beantworten solltest: Zu welchem Arzt gehst du? Vielleicht hast du schon Tipps von deiner Mutter, deinen Freundinnen oder von jemand anderem bekommen. Letztendlich liegt die Entscheidung aber bei dir. Denn die Beziehung zwischen einem Arzt und seinem Patienten ist sehr persönlich und Vertrauen ist das Wichtigste dabei.
Wenn du dir einen Arzt suchst, mach dir erst mal klar, ob es ein Mann oder eine Frau sein soll. Viele junge Mädchen, aber auch erwachsene Frauen, fühlen sich wohler, wenn eine Frau sie behandelt. Manche Frauenärztinnen haben deshalb lange Wartelisten oder nehmen gar keine neuen Patientinnen mehr an. Es kann sein, dass du länger suchen oder weiter fahren musst. Sei also nicht enttäuscht und bleib geduldig. Übrigens: Männlichen Ärzten ist durchaus klar, dass sich junge Frauen oftmals schämen. Jeder gute Arzt wird sich dementsprechend einfühlsam verhalten.
Falls du eine Übersicht der Frauenärzte in deiner Nähe benötigst, kann dir unsere Arztsuche weiterhelfen.
Aber selbst wenn du dir eine Frauenarztpraxis ausgesucht hast, prüfe ruhig vor dem Besuch beim Arzt, ob es die richtige für dich ist. Geh doch einfach mal vorbei, vielleicht um den Termin zu vereinbaren, und schau dir dabei alles genau an. Fühlst du dich wohl? Ist das Praxispersonal nett und geht auf dich ein? Das kann schon viel über eine Praxis aussagen.
Die Teenagersprechstunde: Ein Angebot für junge Ladys
Manche Frauenarztpraxen bieten auch eine spezielle Teenagersprechstunde an. Da bist du dann unter Gleichaltrigen und läufst nicht Gefahr, der besten Freundin deiner Mutter über den Weg zu laufen. Sieh dich einfach mal auf der Website der Praxis um oder ruf dort an.
Wenn der Arzt deiner Wahl nichts dergleichen anbietet, dann sag doch einfach bei der Terminvereinbarung, dass du zum ersten Mal beim Frauenarzt bist, und vielleicht dieses mal nur reden willst und keine körperliche Untersuchung wünschst. An der Art und Weise, wie man auf deinen Wunsch eingeht, kannst du schon viel erkennen. Was du noch bedenken solltest: Leg den Termin nicht in die Zeit deiner Periode. Und bitte sag den Termin rechtzeitig – einen Tag vorher – ab, wenn du doch nicht kannst.
Eine Begleitperson: Geteilte Angst ist halb so schlimm

Wenn du dich trotz allem unsicher fühlst, nimm einfach eine Person deines Vertrauens mit: eine Freundin, deine Mutter oder deinen Freund vielleicht. Wenn du möchtest, dass diejenige oder derjenige mit ins Sprechzimmer kommt, sag das am besten schon bei der Anmeldung. Es ist natürlich auch möglich, dass zum Beispiel dein Freund zwar bei dem Gespräch dabei ist; für die Untersuchung aber wieder im Wartezimmer Platz nimmt. All das entscheidest du allein – natürlich in Absprache mit dem Arzt.
Noch etwas solltest du mitbringen: deine Versicherungskarte, deinen Zykluskalender (wenn du einen führst), frische Unterwäsche und wenn du eine Strumpfhose trägst vielleicht auch ein Paar Socken, damit du nicht mit nackten Füßen über den Boden laufen musst. Sinnvoll ist auch ein Spickzettel mit allen Themen, die du ansprechen möchtest.
Noch eine Frage, die sich viele junge Frauen stellen: Muss ich mich besonders waschen? Die Antwort lautet: Nein, ganz normales Waschen reicht aus. Besondere Waschlotionen für den Intimbereich sind nicht nötig.
Das Qualitäts-Siegel: Wirst du ernst genommen, bist du richtig
Woran erkennst du, dass du einen guten Frauenarzt erwischt hast? Ein guter Frauenarzt wird dich immer ernst nehmen und wie eine junge Frau behandeln, die Verantwortung übernehmen kann – vor allem, wenn es um Verhütungsfragen geht. Mit einem guten Frauenarzt kannst du auch über deine Unsicherheit oder Angst reden. Er wird dir dabei, so gut es geht, helfen – schließlich hat er häufig junge Patientinnen.
Natürlich kannst du auch selbst dazu beitragen, dass du die Praxis wieder zufrieden verlässt. Ein guter Frauenarzt erklärt dir alles Schritt für Schritt und wird dir sagen, ob und was du vielleicht spüren wirst. Sollte etwas unangenehm sein oder schmerzen, dann sag das ohne Scheu. Denn eine Untersuchung sollte gründlich, aber so schonend wie möglich sein.
Doch vorher – sehr wahrscheinlich schon im Wartezimmer – wirst du ein paar Angaben machen müssen. Das ist eigentlich bei jedem Arzt üblich. Dazu erhältst du meistens einen Fragebogen, den du ausfüllen musst. Außer deinen persönlichen Angaben wird es noch Fragen zu deinem gesundheitlichen und körperlichen Zustand geben. Beantworte sie einfach so gut wie möglich; der Arzt wird sicher nachfragen, wenn irgendetwas unklar ist.
Das erste Gespräch: Das möchte der Frauenarzt von dir wissen
Vor der körperlichen Untersuchung wird der Frauenarzt mit dir ein Gespräch führen. Ihn interessieren dabei folgende Fragen:
- Wann war deine letzte Regel?
- Wie lange dauert deine Menstruationsblutung?
- Wie stark ist deine Periode?
- Wann war deine erste Monatsblutung?
- Hattest du schon Geschlechtsverkehr?
- Werden oder wurden Verhütungsmittel benutzt? Wenn ja, welche?
- Gibt es ernste Erkrankungen oder aktuelle gesundheitliche Probleme, auch in deiner Familie?
- Welche Kinderkrankheiten hattest du?
- Welche Impfungen wurden vorgenommen?
Außerdem wird der Arzt sich den Fragebogen anschauen, den du vorher ausgefüllt hast und bei Unklarheiten nachfragen. Dieses Gespräch ist für dich natürlich auch der Zeitpunkt, wo du eigene Fragen stellen kannst und zum Beispiel auch deine Unsicherheit oder Ängste ansprechen solltest. Hier kann dann dein Spickzettel zum Einsatz kommen. Keine Angst vor dummen Fragen, die gibt es nämlich nicht: Die einzige dumme Frage, die es gibt, ist die, die du nicht stellst.
Die Notbremse: Du entscheidest, aber bitte verantwortungsvoll
Bei dem Gespräch mit deinem Frauenarzt wirst du einen ganz guten Eindruck von ihm bekommen. Manchmal hat man ja von Anfang an einen guten Draht zu einer Person, manchmal dauert es auch ein wenig länger. Wenn du aber das ganz sichere Gefühl hast, dass die Chemie zwischen euch nicht stimmt, dann ist es natürlich dein gutes Recht, den Besuch abzubrechen. Vorher solltest du dich aber natürlich fragen, ob du nur die Untersuchung fürchtest und deshalb raus willst, oder ob es wirklich daran liegt, dass du deinem Arzt nicht vertraust.
Die Untersuchung: Der Arzt wird dir nicht weh tun

Vor der körperlichen Untersuchung haben viele junge Frauen Angst. Es kursieren auch regelrechte Horrorstorys über das, was da passiert – sie sind aber aus der Luft gegriffen. Das ein oder andere ist für dich vielleicht ungewohnt, aber normalerweise ist die Untersuchung beim Frauenarzt nicht schmerzhaft. Wenn es doch mal irgendwo weh tun sollte, sag es sofort. Zähne zusammenbeißen ist nicht sinnvoll. Ein guter Arzt wird immer darauf reagieren, wenn es schmerzt. Und solltest du wirklich krank sein, kann es auch sehr wichtig sein, dass dein Arzt erfährt, wo es weh tut.
Auch die Vorstellung, nackt vor einem fremden Menschen zu stehen, bereitet vielen jungen Frauen Scham. Das wird aber wohl nicht passieren. Zwischen der Untersuchung der Brust, für die du dich obenrum ganz frei machen musst, und der Untersuchung deines Unterleibs kannst du dich nochmal umziehen. So bist du nie ganz unbekleidet. Am besten ziehst du einen langen Pullover, ein T-Shirt oder einen Rock an. Dann fühlst du dich auf dem Weg von der Kabine zum Untersuchungsstuhl auch ohne Slip nicht so nackt. Oder nimm ein Handtuch mit zum Termin, das kannst du dir darüberlegen, solange du in dem gynäkologischen Stuhl sitzt und der Arzt dich nicht gerade untersucht.
Ein Wort zu dem „schrecklichen“ Stuhl: So schrecklich ist er gar nicht. Im Gegenteil, er ist ganz bequem. Die Form des gynäkologischen Stuhls hat natürlich auch einen Sinn. In der Haltung, die du auf dem Stuhl einnimmst, kann der Arzt deine Scheide am besten untersuchen. Die Beine legst du locker auf den Stützen ab. Und um gleich noch mit einem weiteren Gerücht aufzuräumen: Die Füße werden nicht an den Stützen angeschnallt! Es gibt diese Schnallen zwar an manchen Stühlen; sie sind aber nur für Operationen da, wenn die Frau auf dem Stuhl unter Narkose schläft, damit die Beine nicht während der OP herunter rutschen.
Du brauchst dir auch keine Sorgen zu machen, ob jemand dich von draußen sehen kann. Wie eigentlich in jeder Arztpraxis, sind die Fenster zum Beispiel aus Milchglas oder haben Lamellen. Diskretion ist schließlich auch für den Frauenarzt das Wichtigste und ein Teil seiner Schweigepflicht, über die wir dir noch mehr erzählen werden.
Es gibt eine ganze Reihe von Untersuchungen, die Frauenärzte durchführen. Viele davon kommen nur infrage, wenn der Arzt eine bestimmte Krankheit vermutet. Aber es gibt natürlich auch Untersuchungsmethoden, die bei einer neuen Patientin mehr oder weniger Standard sind. Diese wollen wir hier kurz erklären, damit du dir ein Bild machen kannst, was passiert. Wissen ist schließlich das beste Mittel gegen Angst.
Die einzelnen Untersuchungen: Was genau läuft denn da jetzt ab?
Normalerweise wird dein Frauenarzt dir ganz genau bei jedem Schritt erklären, was er jetzt tut und wie es sich anfühlen wird. Wenn du etwas nicht verstehst oder er zu wenig erklärt, frag nach. Ein einfühlsamer Arzt wird darauf eingehen. Er will dir ja helfen.
Die Tastuntersuchung der Brust
Der Frauenarzt wird deine Brust nach Knoten oder Verhärtungen absuchen. Außerdem kontrolliert er, ob sich deine Brüste normal entwickelt haben. Die Hände sind sehr sensibel und deshalb sehr exakte „medizinische Geräte“. So lassen sich bereits kleine Veränderungen schnell erkennen. Aber nicht nur die Brüste, auch deine Achselhöhlen und die Halsgruben werden untersucht. Hier tastet der Arzt die Lymphknoten ab, die über die Lymphbahnen eng mit den Brüsten verbunden sind.
Eine Tastuntersuchung der Brüste solltest du auch regelmäßig selbst vornehmen. Dein Frauenarzt kann dir zeigen, wie das geht und worauf du dabei achten musst. Eine Anleitung zur Tastuntersuchung findest du auch in unserem Infobereich.
Die Tastuntersuchung des Unterleibs

Der Frauenarzt tastet deinen Unterleib ab, um die Lage und Form deiner Scheide, Gebärmutter, deiner Eileiter und Eierstöcke zu überprüfen. So kann er bestimmte Krankheiten feststellen. Dazu führt der Arzt ein oder zwei Finger in deine Scheide ein und drückt die Gebärmutter nach oben. Dann legt er seine Hand auf deinen Bauch und tastet die Eierstöcke ab. Natürlich trägt er dabei Handschuhe.
Die Spekulumuntersuchung
Das Spekulum sieht aus wie ein Entenschnabel mit Griff. Es gibt aber auch andere Formen. Sie sind alle zu einem Zweck da: deine Scheide zu öffnen und den Blick auf den Muttermund freizugeben. Der Muttermund, medizinisch Portio genannt, ist ein Abschnitt des Gebärmutterhalses (Zervix), der in die Scheide hineinragt. Auch wenn das Instrument auf den ersten Blick vielleicht etwas merkwürdig aussieht: Es tut nicht weh. Allenfalls drückt es ein wenig. Sollte es wirklich wehtun, sag es sofort. Es gibt Erkrankungen, die sich auf diese Weise äußern. Du kannst übrigens viel dazu beitragen, dass die Untersuchung nicht unangenehm wird: Entspanne dich, atme ruhig weiter und lass den Po locker.
Der Arzt wärmt das Spekulum vor dem Einführen an und reibt es mit einem Gel ein. Dann führt er es langsam in deine Scheide ein und öffnet es. Jetzt ist der Blick auf den Muttermund frei. Vielleicht wird dir dein Arzt auch anbieten, ihn dir mit einem Handspiegel anzusehen. Schließlich hast du nicht alle Tage die Möglichkeit, einen Blick auf deinen Muttermund zu werfen. Wenn nicht, frag ihn ruhig danach.
Meistens macht der Frauenarzt dann einen AbstrichAbstrich
Entnahme von körpereigenem Gewebe. . Dazu nimmt er eine kleine Bürste, ein Wattestäbchen oder ein spachtelähnliches Instrument und reibt es an der Schleimhaut des Muttermundes. Damit werden ein paar Zellen gesammelt und zur Untersuchung auf eine Nährlösung gestrichen. Auch das tut normalerweise nicht weh – es fühlt sich höchstens etwas seltsam an. Teil deinem Arzt ruhig alle deine Empfindungen mit.
Ultraschall
In manchen Fällen führt der Arzt auch eine Ultraschalluntersuchung von deinem Unterleib durch. Das ist zum Beispiel sinnvoll, wenn du Beschwerden hast, die er weiter abklären möchte. Von der Ultraschalluntersuchung hast du vielleicht schon in einem anderen Zusammenhang gehört; sie wird bei der Schwangerschaftsvorsorge routinemäßig angewendet, um Aufnahmen von Babys im Mutterleib zu machen.
Es gibt verschiedene Arten von Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt: Deine Gebärmutter und Eierstöcke kann der Frauenarzt gut über deinen Bauch mit einem sogenannten abdominellen (von Abdomen = Bauch) UltraschallUltraschall
Bildgebendes Verfahren, bei dem mithilfe von Schallwellen Aufnahmen aus dem Körperinneren erstellt werden. untersuchen. Dazu verteilt er zunächst ein spezielles Ultraschallgel auf deinem Unterbauch. Auf diesem Gel bewegt er dann den Schallkopf, der Ultraschallwellen sendet und empfängt. Von diesen Schallwellen spürst du nichts. Das Ultraschallgel sorgt dafür, dass keine Luft zwischen dem Schallkopf und deinem Bauch ist – dadurch muss der Arzt das Gerät nicht so fest aufdrücken und die Untersuchung ist nicht unangenehm. Die Ultraschallwellen werden von deinen Organen unterschiedlich stark zum Schallkopf zurückgeworfen – je nachdem, aus welchem Gewebe das Organ besteht. Ein Computer wandelt die zurückkommenden Ultraschallwellen in ein Schwarzweißbild um, dass du auf einem Monitor sehen kannst. Darauf sind dann unter anderem deine Eierstöcke, die Gebärmutter sowie mögliche krankhafte Veränderungen wie Zysten zu erkennen. Der Frauenarzt kann einzelne Bildbereiche auch vergrößern oder farbig darstellen, um etwas genauer zu erkennen.
Manchmal führt der Frauenarzt auch eine sogenannte vaginale Ultraschalluntersuchung durch, um sich ein genaueres Bild von deiner Gebärmutter und den Eierstöcke zu machen. Das geschieht vor allem, wenn du Beschwerden hast, die sich der Frauenarzt nach der Tastuntersuchung und dem abdominellen UltraschallUltraschall
Bildgebendes Verfahren, bei dem mithilfe von Schallwellen Aufnahmen aus dem Körperinneren erstellt werden. noch nicht erklären kann. Dazu führt er einen dünnen stabförmigen Schallkopf in deine Scheide ein.
Bestimmt erklärt dir dein Arzt, was auf dem Ultraschallbild zu erkennen ist. Falls nicht, frag ihn danach.
Die Schweigepflicht: Grundsätzlich gilt sie – Ausnahmen gibt es aber auch
Viele junge Mädchen machen sich Sorgen, ob der Frauenarzt ihren Eltern etwas von dem Besuch erzählt. Auf diese Frage gibt es keine ganz genaue Antwort. Grundsätzlich gilt die Schweigepflicht auch für Minderjährige. Zur Schweigepflicht zählt nicht nur der Inhalt der Gespräche und das Ergebnis der Untersuchung sowie die Rezepte und Verschreibungen, etwa die Pille. Er darf auch nicht verraten, ob du überhaupt da warst. Aber es gibt Ausnahmen: Denn der Umfang der ärztlichen Schweigepflicht hängt bei Minderjährigen von deren Einsichtsfähigkeit ab.
Du wirst dich vielleicht fragen, was Einsichtsfähigkeit ist. Als Faustformel gilt, dass bei 16- bis 18-Jährigen die Einsichtsfähigkeit vorausgesetzt werden kann, bei 14- bis 16-Jährigen von Fall zu Fall entschieden werden muss, und bei unter 14-Jährigen zum Beispiel die Verordnung der Verhütungspille nur mit Zustimmung der Eltern erfolgen sollte. Trotzdem ist der Arzt – auch der Frauenarzt – an die Schweigepflicht gebunden. Nehmen wir mal an, du bist 13 Jahre alt und fragst nach der Pille. Der Arzt lehnt das meistens ab, weil er dich für zu jung, also für nicht einsichtsfähig hält. Er darf aber trotzdem nicht einfach so deine Eltern anrufen und ihnen sagen, dass du bei ihm warst und nach der Pille gefragt hast.
Das gilt jedoch nicht für den Fall, dass nur der Bruch des Arztgeheimnisses dich vor einer akuten schwerwiegenden Gefährdung schützen könnte. Dann muss er deine Eltern informieren. Doch auch in diesem Fall soll der Arzt versuchen, vorher dein Einverständnis einzuholen. Auch hierzu ein Beispiel: Bei der Untersuchung stellt der Arzt fest, dass du eine wirklich schwere Krankheit hast. Deswegen musst du ins Krankenhaus. Du weigerst dich aber, weil sonst deine Eltern erfahren, dass du beim Frauenarzt warst. Dann muss der Arzt erst versuchen, dir den Ernst der Lage zu erklären. Weigerst du dich aber weiterhin, muss er von sich aus deine Eltern informieren. In dem Fall wiegt nämlich deine Gesundheit schwerer als dein Wunsch nach Diskretion.
Wenn du nicht möchtest, dass deine Eltern von deinem Besuch beim Frauenarzt erfahren, sprich am besten mit dem Arzt darüber. Du kannst ja auch gleich bei der Terminvergabe darüber mit der Sprechstundenhilfe sprechen. Sie ist übrigens genauso an die Schweigepflicht gebunden wie der Arzt.

Zum Schluss eine Bitte: Reden hilft – auch uns
Du siehst, es ist alles halb so schlimm, wenn man drüber redet. Und der Frauenarzt ist auch kein Unmensch, sondern jemand der dir helfen will – du musst ihm nur sagen, was dich bedrückt.
Dein Frauenarzt wird dir sagen, wann du das nächste Mal zur Untersuchung kommen sollst. Wenn alles in Ordnung ist, empfehlen Frauenärzte meist, sich einmal im Jahr gynäkologisch untersuchen zu lassen. Nun, nach deinem ersten Mal, bist du beim nächsten Besuch vielleicht schon viel ruhiger. Das würde uns jedenfalls freuen.
Wir würden uns übrigens auch freuen, wenn du uns etwas sagen würdest: Wie fandest du diesen Text? War er hilfreich? Hast du noch Fragen, die wir nicht beantwortet haben? Wir freuen uns über dein Feedback.
Tipp
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Quellen:
Bundesverband der Frauenärzte und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: www.frauenaerzte-im-netz.de
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Expertinnen in eigener Sache – Mädchen bei der Frauenärztin oder beim Frauenarzt. Online-Publikation (www.bzga.de)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Mädchensache(n). Online-Publikation (www.bzga.de)
Entezami, M., Fenger, H.: Gynäkologie und Recht. Springer, Heidelberg 2004
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