Frauen und Sport: richtig trainieren

Die meisten Frauen treiben anders Sport als Männer – und das ist gut so. Frauen haben andere körperliche Voraussetzungen als Männer und oft auch eine andere Motivation, warum sie sich sportlich betätigen.

Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, aber wo es vielen Männern um den Spaß am Wettkampf geht, wollen Frauen ihrem Körper mit Sport etwas Gutes tun. Ein wenig abnehmen, attraktiv, beweglich, fit und gesund bleiben – das sind häufige Gründe, die Frauen auf die Frage angeben, warum sie sich sportlich betätigen. Für Frauen zählt weniger der Wettkampf mit dem Gegner als der Spaß an der Sache. Gerne auch zusammen mit der besten Freundin – aber nicht gegen sie.

Für Frauen zählt weniger der Wettkampf mit dem Gegner als der Spaß an der Sache

Klassische Frauen- und Männersportarten gibt es allerdings nicht. Auch Frauen spielen Fußball, boxen oder ringen. Ebenso gibt es Männer, die tanzen, Ballett oder Gymnastik betreiben. Viele Sportarten sind überdies bei beiden Geschlechtern gleichermaßen beliebt – dazu zählen beispielsweise Schwimmen, Fahrradfahrern oder Laufen. Letztlich ist das Wichtigste, dass jede und jeder selbst für sich entscheidet, wie und welchen Sport sie beziehungsweise er betreiben möchte. Der Spaß steht an erster Stelle.

Die körperlichen Unterschiede

Worin bestehen die wesentlichen körperlichen Unterschiede von Frauen und Männern? Wer sie kennt, kann daraus Stärken für sich herausziehen.

Weniger Muskeln…

Frauen und Männer bringen von Natur aus unterschiedliche körperliche Voraussetzungen mit. Der offensichtlichste Unterschied liegt in der unterschiedlich ausgeprägten Muskulatur: Zwar besitzen Frauen und Männer die gleiche Anzahl an Muskeln, doch haben Männer mehr Muskelmasse. So besteht der Körper einer Frau zu durchschnittlich etwa 35 Prozent aus Muskeln. Bei Männern liegt dieser Anteil bei etwa 40 Prozent.

Auch Leistungssportlerinnen weisen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen weniger Muskelmasse auf. Grund dafür ist das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Es sorgt schon in jungen Jahren für vermehrten Muskelaufbau. Auch der weibliche Körper produziert es, jedoch in weit geringerem Maße.

… und dann auch noch mehr Fett

So ungerecht es klingen mag: Männer haben mehr Muskelmasse; Frauen dagegen einen höheren Körperfettanteil. Der durchschnittliche Anteil des Fettgewebes am gesamten Körpergewicht beträgt bei Frauen rund 28 Prozent, dem stehen zirka 18 Prozent bei Männern gegenüber. Dass der weibliche Körper einen höheren Fettanteil aufweist, heißt allerdings nicht, dass Frauen übergewichtiger sind.

Die weiblichen Hormone – allen voran die Östrogene – sind für die typischen weiblichen Rundungen verantwortlich. Wer diese als „Problemzonen“ empfindet, kann sie mit gezieltem Sport, zum Beispiel einem „Bauch-Beine-Po-Training“ im Fitnessstudio, angehen.

Interview mit Dr. Frank Goebels zum Thema Frauen und Sport

Kleine Frauenherzen

Beim Sport müssen Herz und Lunge hart arbeiten. Diese Organe fallen bei der Frau etwas kleiner aus als beim Mann. So beträgt die normale Herzgröße einer Frau 9 bis 11 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht (ml/kg KG), die eines Mannes 10 bis 12 ml/kg KG. Die Lunge einer Frau hat ein durchschnittliches Volumen von 4,5 bis 5 Liter, beim Mann sind es 6,5 bis 7 Liter. Ein Frauenherz muss also für die gleiche Blutmenge häufiger pumpen. Ähnliches gilt für die Atmung: Für die gleiche Menge Luft muss eine Frau mehr Atemzüge machen.

Außerdem kann weibliches Blut etwas weniger Sauerstoff zu den Organen und Muskeln transportieren, da das Blut von Frauen einen niedrigeren Gehalt an rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) aufweist – der Stoff, der den Sauerstoff transportiert.

Der kleine Unterschied

All diese Unterschiede zwischen Frauen und Männern gelten natürlich nur für den gleichen Trainingsstand. Eine Leistungssportlerin schlägt jeden untrainierten Mann in allen obigen Disziplinen. Nimmt man die Weltrekordzeiten beim Laufsport als Maßstab, liegen Frauen auf allen Strecken nur knapp zehn Prozent hinter der Leistungsfähigkeit von Männern.

Frauen schwitzen weniger beim Sport

Unabhängig von der Fitness gibt es allerdings einen letzten Unterschied: Frauen schwitzen bei körperlicher Belastung später und weniger als Männer. Was im ersten Moment wie ein Vorteil klingt, ist in Wirklichkeit eher ein Nachteil: Schwitzen ist eine wichtige Kühlfunktion des Körpers. Frauen sollten also beim Sport besonders auf eine funktionelle Bekleidung achten, um nicht zu überhitzen.

Auf die Plätze, fertig, los!

Beginnen Sie langsam, damit sich Ihr Körper an die Belastungen gewöhnen kann.

Wer vorhat, mit dem Laufen anzufangen, sollte sich gerade am Anfang nicht zu viel zumuten. Hier gilt: Regelmäßigkeit schlägt Spitzenleistung. 20 bis 30 Minuten pro Tag reichen für Anfängerinnen völlig. Um nicht aus der Puste zu kommen, sollte man langsam laufen und gerne zwischendurch Gehpausen einlegen. Als geeigneter Puls, um fit zu bleiben und Fett zu verbrennen, gilt eine Herzfrequenz von 120 bis 130 Schlägen pro Minute. Doch wie kontrolliert man das während des Laufens? Eine Pulsuhr kann helfen. Sie misst die Herzfrequenz. Die meisten Modelle sind programmierbar: Einfach den gewünschte Herzfrequenzbereich einstellen und ein Signal zeigt an, wenn man zu schnell läuft. So braucht man nicht ständig auf die Pulsuhr zu sehen.

Zunehmender Beliebtheit erfreut sich in den letzten Jahren auch der Sport im Fitnessstudio. In vielen Großstädten gibt es inzwischen sogar spezielle Studios für Frauen. Ob Training an den Geräten, auf dem Laufband oder im Kurs – ein Fitnessstudio bietet viele Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen.

Bevor man mit einem neuen Sport beginnt, sollte man aber noch einen kurzen Gang einlegen – zum Arzt. Ein Check-up beim Hausarzt ist gerade für diejenigen sinnvoll, die noch nie Sport getrieben haben. Der Arzt kann prüfen, ob Herz, Kreislauf und Gelenke in Ordnung sind und im Falle von Erkrankungen bei der Wahl der Sportart beraten.

Sport während der Menstruation?

Viele Frauen scheuen sich davor, während ihrer Periode Sport zu treiben. Dabei steht einem Training auch in dieser Zeit nichts im Wege. Sportlerinnen sollten aber – nicht nur in der Zeit der Regelblutung – auf die ausreichende Zufuhr von Eisen achten: grünes Gemüse, rotes Fleisch und Vollkornprodukte versorgen den Körper mit Eisen, das er zur Bildung von rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin) benötigt. Tee, Kaffee und Milch zum Essen sollten dagegen nur in Maßen genossen werden, da sie die Eisenaufnahme im Körper vermindern. Gesundheitsbewusste, sportliche Frauen, die sich ausgewogen ernähren, nehmen normalerweise ausreichend Eisen zu sich. Eisenpräparate sind nur dann sinnvoll, wenn der Arzt einen Eisenmangel im Blut festgestellt hat.

Auch die „Tage vor den Tagen“ können für sportliche Frauen zum Hindernis werden. Viele haben in dieser Zeit mit mehr oder weniger starken Spannungsgefühlen in den Brüsten, Krämpfen im Unterbauch, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Wassereinlagerungen zu kämpfen. Auch können sie müde, reizbar oder deprimiert sein. Mediziner bezeichnen dies als Prämenstruelles Syndrom, kurz PMS. Auch wenn der Sport dann mühseliger erscheint, lohnt er sich: Bewegung und Sport kann PMS-Beschwerden positiv beeinflussen.

Vorsicht ist geboten, wenn die Menstruation ausbleibt. Bei manchen Ausdauersportlerinnen wird die Regelblutung unregelmäßig oder fällt ganz aus. Mögliche Ursache ist eine zu niedrige Konzentration des weiblichen Hormons Östrogen. Um Folgeerkrankungen wie eine Osteoporose (Knochenschwund) zu vermeiden, empfiehlt es sich, frühzeitig den Frauenarzt aufzusuchen und die Ursache abklären zu lassen. 

Schwangerschaft und Sport

Schwangere Frauen haben manchmal Bedenken, Sport zu treiben, weil sie fürchten, ihrem ungeborenen Kind damit zu schaden – doch das Gegenteil ist der Fall: Mediziner empfehlen Frauen während einer normalen Schwangerschaft (wenn also keine Komplikationen auftreten), sich regelmäßig zu bewegen. Wer also vorher schon dreimal pro Woche joggen gegangen ist, kann dies ruhig so weiter machen. Die körperliche Fitness wirkt sich in der Schwangerschaft sogar positiv aus: Trainierte Frauen leiden weniger an den üblichen Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit und beugen zudem Krampfadern, Hämorrhoiden und Blutgerinnseln (Thrombosen) vor.

Sport während der Schwangerschaft

Wichtig ist, den Sport in der Schwangerschaft an die körperlichen Veränderungen anzupassen. Das steigende Gewicht, eine stärkere Belastung der Gelenke und Atembeschwerden mit zunehmender Schwangerschaftsdauer – all das macht einige sportliche Belastungen unmöglich. Empfehlenswerte Sportarten für Schwangere sind zum Beispiel Walking, Jogging, Radfahren, Gymnastik, Tanzen und Schwimmen. Mannschafts- und Kampfsportarten, Disziplinen mit hohem Sturzrisiko sowie extreme körperliche Anstrengungen sind in der Schwangerschaft eher zu meiden.

Auch bei der Entbindung haben Frauen mit einer guten körperlichen Fitness Vorteile. Sie erholen sich schneller von den Strapazen der Geburt und sind wieder schneller auf den Beinen. Jetzt ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben: Ob Rückbildungsgymnastik oder Babyschwimmen – Hebammen und Frauenärzte können sportlichen Müttern viele Tipps geben.

Typische „Frauenleiden“ – auch hier hilft Sport

Regelmäßige Bewegung beugt Krankheiten vor: Sport schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wirkt sich positiv auf Verdauungsstörungen aus und schützt vor Rückenproblemen. Das gilt für Frauen wie für Männer. Doch Sport hilft auch gegen Beschwerden, die eher Frauen plagen.

Cellulite

Frauen sind von Cellulite stärker betroffen als Männer. Die „Orangenhaut“ zeigt sich durch Dellen der Haut, hauptsächlich an den Oberschenkeln, Oberarmen, Hüften und am Gesäß. Dass Cellulite bei Frauen stärker in Erscheinung tritt, liegt zum einen daran, dass ist ihre Haut dünner ist. Zum anderen ist ihr Bindegewebe anders aufgebaut: Die Bindegewebsfasern von Frauen liegen stärker parallel und nicht netzartig übereinander wie bei Männern. Das führt dazu, dass sich wachsende Fettzellen durch die Zwischenräume der Fasern drücken und sichtbar werden.

Bewegung ist das beste Mittel, um gegen Cellulite anzugehen. Es fördert die Durchblutung, verbrennt Fett und strafft die Haut. Besonders Joggen, Schwimmen, Radfahren, Gymnastik und gezieltes Krafttraining sind geeignete Sportarten.

„Hängebusen“

Mit zunehmendem Alter, vor allem nach Schwangerschaften und der Stillzeit, lässt das Bindegewebe nach. Die Folge: ein „Hängebusen“. Auch wenn dies nichts Unnatürliches ist, leidet so manche Frau darunter. Hier ist Sport die Lösung: Gezieltes Brustmuskeltraining hilft, den Busen in Form zu halten. Außerdem ist ein gut sitzender Büstenhalter in der richtigen Größe wichtig – beim Training empfiehlt sich ein Sport-BH.

Osteoporose

Frauen sind besonders häufig von Osteoporose (Knochenschwund) betroffen. Etwa eine von fünf deutschen Frauen im Alter von 80 Jahren hat schwache Knochen, die leicht brechen können. Besonders tückisch an der Osteoporose ist, dass im Anfangsstadium keine Beschwerden auftreten. Trotzdem baut der Knochen immer mehr Masse ab.

Die Ursachen sind vielfältig, und nicht immer lässt sich der Osteoporose vorbeugen. Doch mangelnde Bewegung ist einer der Risikofaktoren für Knochenschwund. Daher gilt: Bewegung sorgt für starke Knochen. Vor allem körperliche Aktivitäten, bei denen man sein eigenes Gewicht tragen muss, stärken die Knochen. Dazu zählt zum Beispiel Laufen. Besonders regelmäßiger Kraftsport beugt Osteoporose vor. Nicht so geeignet zur Vorbeugung sind Sportarten wie Schwimmen, die zwar für Kondition und Kraftentwicklung förderlich sind, aber die Knochen eher entlasten.

Der beste Grund für Sport ist Spaß

Der beste Grund für Sport ist Spaß

Aber egal, ob Sie mit Sport anfangen, um abzunehmen, fit zu werden oder gesund zu bleiben, vergessen Sie den Spaß an der Sache nicht. Er ist die beste Motivation um dranzubleiben. Und Spaß wird es machen, wenn Sie die ersten Erfolge sehen. Garantiert!

Wer jetzt Lust bekommen hat, eine Runde um den Block zu drehen oder ins Fitnessstudio zu gehen, ist schon auf dem richtigen Weg. Nur los! Wer auch regelmäßig dran bleibt, tut sich etwas Gutes.

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